Football's Next Generation – die Fußballstars von morgen
 
Karim Adeyemi – Rakete mit eiskaltem Abschluss


Ab diesem Sommer wird die Bundesliga wohl um eine Attraktion reicher sein. Glaubt man den neuesten Medienberichten und Insidern, so steht Karim Adeyemi kurz vor einem Wechsel von Red Bull Salzburg zu Borussia Dortmund.

Noch im Januar verdichteten sich mit dem Aufenthalt von Michael Zorc und Sebastian Kehl in Salzburg die Anzeichen auf einen Transfer. Lediglich die Ablösesumme scheint noch offen zu sein, eine noch attraktivere Offerte aus Leipzig soll der Angreifer bereits ausgeschlagen haben. Doch wer ist der 20-Jährige, den wir ab Sommer voraussichtlich in schwarz und gelb sehen werden?

Erster großer Schritt führt zum FC Bayern München

Adeyemi ist ein geborener Münchner und kickte seit seiner Jugend für Klubs in der bayerischen Landeshauptstadt. Im Sommer 2009 war es dann auch so weit, der überaus talentierte Linksfuß schloss sich der Jugend des FC Bayern München an. Ein großer Schritt für Adeyemi, der zuvor für den TSV Forstenried München gekickt hatte. Doch Adeyemi schien für diesen Schritt bereit zu sein, das Talent zum Durchbruch hatte er allemal.

Doch besonders lange blieb Adeyemi nicht beim FC Bayern. Bereits nach zwei Jahren war wieder Schluss in der Jugendabteilung des deutschen Rekordmeisters. Aufgrund von Disziplinlosigkeiten musste der Angreifer den Klub am Ende im Streit verlassen. Ein herber Rückschlag für den Jugendlichen.

„Das Aus beim FC Bayern hat mich motiviert. Beim Lieblingsklub aussortiert zu werden, hat mir einen extra Push gegeben. Die Spiele gegen Bayern haben bei mir besonders viel Ehrgeiz geweckt.” (Karim Adeyemi)

Wechsel nach Unterhaching & Förderer Schwabl

Allerdings ließ sich Adeyemi in sportlicher Hinsicht nicht hängen. Nach einem weiteren Jahr beim TSV Forstenried München führte sein Weg schließlich nach Unterhaching. Dort nahm sich Manfred Schwabl letztendlich dem jungen Adeyemi an und ihn unter seine Fittiche. Schwabl erkannte, dass Adeyemi nicht nur ein toller Spieler, sondern auch kein schlechter Kerl ist. Lediglich an der einen oder anderen Stellschraube müsse man noch drehen.

Besonders an der Schule zeigte Adeyemi damals keinerlei Interesse, kam oftmals unvorbereitet zum Unterricht. Ein Thema, das allerdings sowohl Unterhaching als auch seiner Familie natürlich wichtig war. Entsprechend nahm sich Schwabl, der als Förderer und Vaterfigur fungierte, auch dieser Thematik an und ergriff erste Maßnahmen. Von nun an durfte Adeyemi nur noch dann trainieren und spielen, wenn er seine Hausaufgaben erledigte und lernte. Fleiß in der Schule sollte ab sofort mit Fußball belohnt werden. Die Maßnahmen zeigten schließlich Wirkung, seine Noten und sozialen Bewertungen verbesserten sich stetig.

„Karim war ein kleiner Lausbub. Wir musste ihn ein wenig zurechtbiegen, was die Schule anging. Dass er dort pünktlich ankam, alles dabei hatte. Es geht halt nicht, wenn du deinen Zirkel vergisst und dann sagst, deine Lehrer seien ungerecht, wenn du den Test nicht mitschreiben kannst. Karim hat das von Zeit zu Zeit aber immer mehr verinnerlicht und sich sehr gut entwickelt." (Manfred Schwabl, Präsident SpVgg Unterhaching)

Nächster Karriereschritt nach Salzburg

Ganze sechs Jahre spielte Adeyemi schließlich in Unterhaching. Besonders das familiäre Umfeld half ihm in seiner Entwicklung sehr. Doch im Sommer 2018 flatterte dann eine lukrative Offerte in die Büros des Klubs. Der österreichische Serienmeister Red Bull Salzburg hatte ein Auge auf den blitzschnellen Stürmer geworfen, auch weitere Top-Klubs standen Schlange.

Am liebsten wäre Adeyemi zu dieser Zeit tatsächlich in Unterhaching geblieben, doch am Ende entschied wie so oft das Geld. Die SpVgg Unterhaching konnte das Angebot aus Salzburg nicht ausschlagen, dank des Fördervertrages war man sogar in der Lage, die Ablösesumme selbst zu verhandeln. Entsprechend holte man das Maximum aus dem Deal heraus und für Adeyemi führte der Weg nun in die ausgezeichnete Jugendabteilung der Österreicher.

Die Anfangszeit in Österreich gestaltete sich zunächst einmal schwierig. Besonders die Kombination aus Profifußball und Schule war äußerst anstrengend für den Teenager. Kein Wunder, denn selten ist ein Wechsel verbunden mit einem neuen Umfeld, einer neuen Mannschaft und einer höheren Intensität in Spielen für eine jungen Spieler leicht.

„Ich hatte ein bisschen Schiss davor, die Heimat zu verlassen, aber war auch glücklich, den nächsten Schritt zu machen. Mir war wichtig, dass ich mich nicht so weit von zu Hause entferne. Von München nach Salzburg sind es ja nur anderthalb Stunden. Deswegen hat das super gepasst.” (Karim Adeyemi)

Leistungsexplosion & Nationalmannschaftsdebüt

Allerdings schien es ihm in der Folgezeit nicht allzu schwer zu sein, sich in Salzburg zurechtzufinden. Seine Entwicklung schritt beängstigend schnell voran, wodurch er immer mehr mediale Präsenz auf sich zog. Bereits in der zweiten Saison in Österreich kam er zu ersten Einsätzen bei Red Bull Salzburg in der Bundesliga, auch die Fritz-Walter-Medaille in Gold konnte sich Adeyemi in 2019 sichern. Eine der größten Auszeichnungen für deutsche Nachwuchsfußballer.

Der endgültige Durchbruch folgte dann in der Spielzeit 2020/21. Hier gelangen ihm insgesamt in allen Wettbewerben stolze 21 Torbeteiligungen, ein Wahnsinnswert für einen noch so jungen Spieler. Nach diversen Titeln in Österreich und einer weiteren Leistungsexplosion mit starken Partien in der Champions League in dieser Spielzeit folgte im September letzten Jahres auch sein Debüt in der Nationalmannschaft.

Im Heimspiel der DFB-Elf gegen Armenien wechselte Hansi Flick den Youngster in der 72. Minute ein und Adeyemi krönte sein Debüt direkt mit seinem ersten Treffer. Sowohl der Angreifer selbst als auch Förderer Manfred Schwabl waren nach der Partie unfassbar stolz.

„Ich bin unglaublich stolz auf Karim. Dass er reinkommt und das Tor erzielt ist eine absolut geile Geschichte. Das ist eigentlich wie ein Märchen!“ (Manfred Schwabl, Präsident SpVgg Unterhaching)

Training mit Vorbild Gnabry

Für Adeyemi wurde nun einer seiner größten Träume war. Zuvor hatte er noch gezweifelt und soll nach seiner Nominierung sichtlich nervös gewesen sein, ob er mit den Stars des Teams um Kimmich und Co. mithalten kann. Spätestens mit Betreten des Platzes war diese Nervosität verschwunden und besonders die gemeinsamen Trainingseinheiten mit seinem Vorbild Serge Gnabry waren für Adeyemi ein absolutes Highlight.

„Mit Gnabry zu spielen oder ihm zuzuschauen und mit ihm zu reden, ist was Besonderes." (Karim Adeyemi)

Der nächste Karriereschritt für den pfeilschnellen Linksfuß ist nun wahrscheinlich im Sommer in die Bundesliga. Doch worauf dürfen sich die Fans hierzulande freuen und einstellen?

Stärken: Möglicherweise wurde es in diesem Scoutingbericht schon das eine oder andere Mal beiläufig erwähnt, trotzdem muss es an dieser Stelle nochmals deutlich betont werden. Die wohl größte Stärke, gleichzeitig aber auch offensichtlichste, ist Adeyemis extreme Geschwindigkeit.

Besonders auf den ersten Metern ist Adeyemi blitzschnell, beschleunigt enorm und legt damit eine herausragende Explosivität an den Tag. Auf den ersten 30 Metern läuft er dabei stolze 3,6 Sekunden, ein absolut atemberaubender Wert für einen Fußballspieler. Kein Wunder, dass hier auch Vergleiche mit Raketen wie Kylian Mbappé oder Pierre-Emerick Aubameyang gesucht werden.

Diese Schnelligkeit gepaart mit einer gewissen Leichtfüßigkeit und Dynamik sorgen am Ende dafür, dass Adeyemi von seinen Gegenspielern nur schwer zu fassen ist. Aufgrund seiner schnellen und meist reibungslosen Bewegungsabläufe in hohem Tempo wirkt er darüber hinaus nicht nur körperlich, sondern auch mental sehr flink.

Dribbling & Zug zum gegnerischen Tor

Generell ist Adeyemi ein Spieler mit sehr viel Zug zum gegnerischen Tor, ganz wie es sich für einen Angreifer gehört. Spielt er als alleiniger Stürmer, positioniert er sich gerne tief, schafft Räume für seine Mitspieler und versucht zwischen den Abwehrspielern in aussichtsreiche Lücken zu starten. Doch auch auf den Flügeln ist Adeyemi hin und wieder zu finden, vor allem wenn er noch einen weiteren Mittelstürmer an seiner Seite hat.

In solchen Spielen weicht er auf die Außen aus und macht so das Spiel breit. Bekommt er dann aber den Ball, geht er nicht selten dank seiner guten Ballkontrolle sowie Ballführung ins Dribbling und sucht so das direkte Duell mit seinem Kontrahenten. Seine Spielweise ist hier als sehr mutig und selbstbewusst zu beschreiben.

Eiskalter Abschluss

Eine weitere Paradedisziplin ist aber auch das Positionsspiel im gegnerischen Strafraum. Hier fühlt er sich sichtlich wohl, weiß sich immer wieder durch gute Laufwege Luft zu verschaffen und zeigt eindrucksvoll seinen Torinstinkt. Immer wieder taucht Adeyemi genau da auf, wo er aussichtsreich zum Abschluss kommen kann. Oftmals startet der Linksfuß zum genau richtigen Zeitpunkt in den vollkommen richtigen Raum und kommt zum Abschluss.

Für das gegnerische Team gilt es genau das auf jeden Fall zu verhindern. Denn kommt Adeyemi im Strafraum zum Abschluss, landen diese nicht nur überwiegend auf dem Tor, sondern oftmals auch im Tor. Nerven zeigt der Youngster hier nur selten, meist ist sein Abschluss eiskalt. In ganz Europa zählt er daher aktuell zu den effizientesten Stürmern überhaupt, viele Chancen benötigt er definitiv nicht.

„Karim ist extrem schnell, leichtfüßig und nur schwer zu fassen. Dazu ist er sehr torgefährlich und hat nicht nur gegen Ende der vergangenen Saison, sondern vor allem auch im aktuellen Spieljahr gezeigt, dass er auf einem super Weg ist." (Christoph Freund, Sportdirektor RB Salzburg)

Zu guter Letzt soll aber auch das Defensivverhalten von Adeyemi nicht unerwähnt bleiben. Hier kommt die RB-Schule bestehend aus hohem und aggressivem Pressing zu trage, für das er sich ebenfalls nicht zu schade ist. Besonders mit seinem Tempo kann er die Verteidiger früh schwer unter Druck setzen und den einen oder anderen Fehler erzwingen.

 

Schwächen: Natürlich hat aber auch Adeyemi noch ein paar Bereiche, in denen noch Luft nach oben ist. Neben der Erfahrung von wöchentlichen Spielen in einer Top-Liga kann und sollte Adeyemi definitiv noch stärker im Kombinationsspiel werden. Hier unterlaufen ihm regelmäßig noch zu leichte Abspielfehler, die es besonders in Spielen auf höherem Niveau zu verhindern gilt.

Generell bekommt man bei Adeyemi ab und an auch das Gefühl, dass seine Beine schneller sind als sein Kopf. Daher ist seine Entscheidungsfindung insgesamt noch ausbaufähig und führt noch viel zu oft zu leichten Ballverlusten. Kann er das abstellen, etwas ruhiger agieren und öfter die richtige Entscheidung treffen, wird er für seinen Gegner nochmal ungemein gefährlicher werden.

Prognose: Die Anlagen von Karim Adeyemi sind ohne Zweifel absolut vielversprechend und wie gemacht für den modernen Fußball. Mit seiner Geschwindigkeit sowie seinen Fähigkeiten im Abschluss sowie Dribbling kann er ein wichtiger Baustein in der Zukunft des DFB-Teams werden und ohne Frage zu einem Top-Spieler von europäischem Format reifen.

Bis dahin hat er allerdings noch viel Zeit, um auch an so mancher Schwäche zu arbeiten. Hier wird vor allem seine Zielstrebigkeit und Einstellung gefragt sein, sich immer weiter zu verbessern und nicht nachzulassen. Gleichzeitig wird auch die Vereinswahl im kommenden Sommer für Adeyemi von großer Bedeutung sein. Schließlich braucht er für seine Entwicklung am besten wöchentliche Spielzeit in einer der Top-Ligen Europas, um Erfahrungen sammeln zu können.

Dass er großes Potential hat, das sieht jeder, das weiß auch jeder. Was er daraus macht, dafür wird seine Einstellung entscheidend sein." (Matthias Jaissle, Trainer RB Salzburg)

Aktuell wird vor allem Dortmund als neuer Arbeitgeber des Linksfußes ins Spiel gebracht. Dort hat man in den letzten Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass man Talente seiner Güteklasse formen und auf das nächste Level bringen kann. Auch in die Pläne von Marco Rose und dessen bevorzugten Spielstil könnte Adeyemi überaus gut passen, denn gerade sein Tempo könnte dem oftmals eher behäbig wirkendem BVB enorm helfen.

Autor: Florian Först || Stand: 03.02.2022
 
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